SEGELRATGEBER / WINDFÄDEN

Kleine Fäden. Großes Verständnis.

Lerne, die Luft sichtbar zu machen, in der deine Segel arbeiten. Hier findest du die richtigen Positionen, die Signale und die kleinen Änderungen, die einen Unterschied machen.

01 / Grundlagen

Was ist ein Windfaden?

Windfäden (Telltales) sind leichte Garnfäden oder Bändsel, die zeigen, wie sich die Luft genau an ihrer Position bewegt. Sie helfen dir zu erkennen, wann eine kleine Trimmänderung nötig ist.

Ein auswehender Faden folgt dem Segel zur hinteren Kante. Ein sich hebender, drehender oder hängender Faden muss im Zusammenhang mit seiner Position, dem Wind und der Segelform gedeutet werden. Unterscheide zunächst zwischen den Fadenpaaren am Vorsegel und den Achterliekbändseln am Großsegel.

Luv
Die dem Wind zugewandte Seite. Sie kann Backbord oder Steuerbord sein.
Lee
Die dem Wind abgewandte Seite. Nach einer Wende tauschen die Seiten ihre Rollen.
Vorliek
Die vordere Segelkante, an der die Luft beim Amwindsegeln üblicherweise auf das Segel trifft.
Achterliek
Die hintere Segelkante, an der die Luftströmung das Segel verlässt.

02 / Platzierung

Der richtige Faden am richtigen Ort.

Wähle ein Segel und vergleiche. Die Bilder veranschaulichen Grundprinzipien. Segelgröße, Konstruktion und die Hinweise des Segelmachers bestimmen die genaue Platzierung.

Windfäden am VorsegelEin Vorsegel von der Seite. Das Vorliek ist die linke Kante, das Achterliek die rechte. Drei nummerierte Fadenpaare sitzen direkt hinter dem Vorliek auf unterschiedlichen Höhen. Jedes Paar hat einen durchgezogenen Faden auf der zugewandten Seite und einen gestrichelten Faden, der von der anderen Seite durch das Tuch sichtbar ist.

Drei Paare hinter dem Vorliek auf unterschiedlichen Höhen. Je eine Befestigung auf jeder Segelseite, leicht gegeneinander versetzt, damit beide Fäden sichtbar sind.

Durchgezogen: die dir zugewandte SeiteGestrichelt: die andere Segelseite

Die Farben unterscheiden die Seiten im Bild. Luv und Lee hängen davon ab, woher der Wind kommt.

Die Positionen sind Beispiele. Beachte die Hinweise deines Segelmachers für dein Segel.

Lies beide Seiten nahe dem Vorliek.

Fock, Genua und Stagsegel

01Platzieren
Bringe Fadenpaare hinter dem Vorliek auf mehreren Höhen an, sodass du sie von deinem Arbeitsplatz aus sehen kannst. Auf einem Kutter braucht jedes Vorsegel eigene Fäden. Übernimm den Trimm des äußeren Segels nicht automatisch.
02Lesen
Bei Wind schräg von vorn sind zwei nach hinten auswehende Fäden eine hilfreiche Grundeinstellung. Ein sich hebender Luvfaden und ein Leefaden, der die Strömung verliert, geben unterschiedliche Hinweise.
03Einstellen
Halte den Kurs: Hebt sich der Luvfaden, hole etwas dicht. Bleibt der Leefaden stehen oder flattert er, fiere etwas. Vergleiche danach die Fäden weiter oben.

Das gilt für übliche Vorsegel. Ein spezielles Spinnakerstagsegel braucht einen eigenen Trimmratgeber. Ein gelegentliches Anheben ist nicht immer ein Fehler.

Quellen: UK Sailmakers · Headsail telltalesUK Sailmakers · TelltalesNorth Sails · Steering upwindUK Sailmakers · Specialist spinnaker staysails

03 / Fäden lesen

Lies das Signal. Passe den Trimm an.

Probiere drei Schotstellungen bei gleichem Kurs und Wind aus. Die beiden Seiten des Vorsegels können gleichzeitig unterschiedliche Signale zeigen.

Kleine Fäden machen die Luftströmung sichtbar. Vergleiche drei einfache Einstellungen des Vorsegels und erfahre, wie du die Schot anpasst.

ÜBUNG · AMWIND BEI GLEICHEM KURS

Kurs und Wind sind in allen drei Beispielen gleich. Hier ändern wir nur die Vorsegelschot.

Luftströmung zum Achterliek
Vorsegel von der Seite: Beide Fäden folgen dem SegelEin Vorsegel von der Seite, mit dem Vorliek links und dem Achterliek rechts. Faden 1 liegt in Luv und ist durchgezogen. Faden 2 liegt in Lee und ist gestrichelt, um die abgewandte Segelseite darzustellen. Weht nach hinten aus Weht nach hinten aus12
Vorsegel von der Seite

Beide Fäden folgen dem Segel

Die Fäden auf beiden Seiten wehen zur hinteren Segelkante aus. Das ist eine gute Grundeinstellung als Ausgangspunkt.

1

LuvWeht nach hinten ausDurchgezogener Faden · Luvseite

2

LeeWeht nach hinten ausGestrichelter Faden · Leeseite, durch das Segel sichtbar

So passt du den Trimm anBehalte die Schotstellung bei und beobachte Fahrt und Balance des Boots.

Die Beispiele verändern nur das Übungsbild und sind unabhängig vom automatischen Grundtrimm des Boots.

01Vorliek des Vorsegels

Die Windfäden des Vorsegels sitzen paarweise nahe dem Vorliek, einer auf jeder Seite. Luv ist die dem Wind zugewandte Seite, Lee die abgewandte. Wenn der Wind die Seite wechselt, tauschen auch Luv und Lee die Seiten.

02Achterliek des Großsegels

Der Windfaden am Großsegel sitzt am Achterliek. Er sollte im Allgemeinen hinter dem Segel auswehen. Bleibt er hinter dem Tuch verborgen, kann der obere Segelbereich zu geschlossen sein. Fiere die Schot, damit sich das Achterliek öffnet, und prüfe erneut.

Die Fäden am Boot zeigen schematisch einen Grundtrimm. Die Beispiele gelten für Wind schräg von vorn. Im Windschatten und bei Wind weit von achtern sind sie keine allgemeingültige Trimmregel. Achte auch auf Fahrt, Krängung und Ruderdruck.

04 / Auf dem Wasser

Eine ruhige Routine an Bord.

Wähle eine Methode, ändere jeweils nur eine Einstellung und warte auf die Reaktion des Bootes, bevor du erneut trimmst.

  1. 01

    Wähle eine Methode

    Übe bei gleichmäßigem Wind mit gefüllten Segeln und genügend Raum, um den Kurs zu halten. Entscheide, ob du die Segel zum Kurs trimmst oder nach einem bereits getrimmten Vorsegel steuerst.

  2. 02

    Fester Kurs: Schot anpassen

    Halte die Richtung und ändere die Schotstellung ein wenig. Nutze die Hinweise zum Vorsegel oben. Ändere nicht gleichzeitig Kurs, Schotholepunkt und Fallspannung.

  3. 03

    Feste Schoten: behutsam steuern

    Als separate Übung mit passendem Grundtrimm: Hebt sich der Luvfaden, falle etwas ab. Verliert der Leefaden die Strömung, luve etwas an. Lass die Schoten für diesen Vergleich unverändert.

  4. 04

    Beobachte die Reaktion des Boots

    Warte auf die Reaktion. Vergleiche vor der nächsten Änderung die Fäden auf mehreren Höhen mit Fahrt, Krängung und dem Gefühl am Ruder.

05 / Häufige Fehler

Häufige Fehler — und was du tun kannst.

Ein unruhiger Faden bedeutet nicht immer, dass die Schot falsch eingestellt ist. Prüfe den Zusammenhang, bevor du etwas änderst.

01

Die Seiten verwechseln

Was du siehstDu beobachtest nach jeder Wende dieselbe Farbe.

Was du tun kannstBestimme zuerst Luv und Lee anhand des Winds. Die Namen gehören nicht zu einer festen Bootsseite.

02

Bei jedem Signal stärker dichtholen

Was du siehstDer Leefaden ist unruhig, und das Boot wird langsamer.

Was du tun kannstProbiere bei festem Kurs, etwas zu fieren. Weiteres Dichtholen kann eine bereits gestörte Strömung auf der Leeseite verschlechtern.

03

Alles gleichzeitig verändern

Was du siehstDu weißt nicht, welche Änderung geholfen hat.

Was du tun kannstWähle eine Stellmöglichkeit, ändere sie ein wenig und vergleiche vorher und nachher.

04

Ständig perfekt gerade Fäden erwarten

Was du siehstDu reagierst auf jede kurze Bewegung.

Was du tun kannstAchte auf ein wiederkehrendes Muster. Böen und Wellen ändern die Strömung. Ein einzelner Moment zeigt nicht das ganze Bild.

05

Nur das unterste Paar lesen

Was du siehstEin Teil des Segels sieht gut aus, aber oben verhält es sich anders.

Was du tun kannstVergleiche mehrere Höhen. Schotholepunkt und Twist müssen möglicherweise nach der Trimmanleitung deines Segels angepasst werden.

06

Übersehen, dass ein Faden festhängen kann

Was du siehstEin einzelner Faden bleibt still, während die anderen reagieren.

Was du tun kannstPrüfe die Bewegungsfreiheit und den Zustand des Fadens, bevor du den Trimm weiter änderst.

06 / Anbringen

Lass den Fäden Raum zum Bewegen.

Beginne mit den Hinweisen deines Segelmachers. Befestige die Fäden auf sauberem, trockenem Untergrund und prüfe, ob sie sich frei bewegen.

  1. Beginne bei deinem Segel

    Nutze vorhandene Positionen oder frage deinen Segelmacher nach Platzierung und Befestigung. Wähle leichte Fäden oder Bändsel und Befestigungen, die für dein Segeltuch geeignet sind.

  2. Sauber und trocken

    Selbstklebende Befestigungen brauchen eine saubere, trockene Fläche. Beachte die Produktanleitung und die Pflegehinweise fürs Segel. Verwende nicht auf gut Glück stärkere Reinigungsmittel.

  3. Lass dem Faden Bewegungsfreiheit

    Prüfe, ob sich der Faden bewegen kann, ohne an einer Naht oder Verstärkung hängen zu bleiben. Berücksichtige bei Rollvorsegeln die Verstärkungen am Vorliek.

  4. Mach das Paar unterscheidbar

    Versetze die Befestigungen auf beiden Seiten etwas gegeneinander und wähle einen gut sichtbaren Kontrast. Prüfe, was deine Farben bedeuten: Rot oder Grün steht nicht immer für Luv oder Lee.

  5. Prüfe, bevor du deutest

    Prüfe, ob sich das gesamte freie Ende bewegen kann. Ein festgeklebter, verhedderter oder beschädigter Faden muss erst wieder in Ordnung gebracht werden, bevor er nützliche Informationen liefert.

Quellen

Weiterführende Informationen von Segelmachern. Die Hinweise hier sind zum Üben und Lernen zusammengefasst.

TRIM COMPASS

Nimm das Gefühl mit an Bord.

Bewege den Wind und sieh Grundtrimm und Windfäden gemeinsam in unserem interaktiven Ratgeber.

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